Branchenkenntnisse

Seit 2010 befinde ich mich in der SAP Welt. Dabei konnte ich wertvolle Erfahrungen in diversen Branchen und Industrien aufsammeln. Logistik nimmt in der Wertschöpfungskette einen besonderen Platz ein, da sich die physischen Gegebenheiten der Standorte stets unterscheiden.

Fertigungsindustrie

Diskrete Fertigung


Bisherige Erfahrungen:

Maschinenbau Anlagenbau Automotiv High-Tech Textil

Prozessindustrie

Nahrungsmittel und Getränke


Bisherige Erfahrungen:

Chemie Pharma Papier Lebensmittel Getränke

Handel

Gross- und Einzelhandel


Bisherige Erfahrungen:

Lebensmittel Textil

Die Fertigungsindustrie ist durch diskrete Produktionseinheiten, d.h. teilbezogene Fertigungs- und Montageprozesse geprägt.

Sie zeichnet sich durch die Produktion von Gütern aus, die aus vielen Einzelteilen bestehen, deren Gesamtanzahl manchmal bis in die Zehntausende steigen kann (Autos, Landwirtschafts- oder Militärgeräte, Server usw.). Das bedeutet, dass der Prozess eine Montage erfordert, die normalerweise in vielen Phasen und an unterschiedlichen Arbeitsstationen erfolgt. Ein Smartphone besteht beispielsweise aus einer Vielzahl an Einzelbauteilen – dem LED-Display, dem Motherboard, der Kamera usw. – die separat zusammengebaut werden, um schließlich in der letzten Montagephase das fertige Produkt zu ergeben.

Um den oft hoch-komplexen Fertigungsprozess im Griff zu behalten, verlässt sich die diskrete Fertigung auf Stücklisten, die alle einzelnen Teile, aus denen das Produkt besteht, auflistet. Manchmal führen Stücklisten sogar Fixierelemente wie Bolzen und Muttern an. Die Bauteile und Unterbaugruppen, aus denen das Endprodukt besteht, müssen zudem oftmals vorher selbst erst montiert werden. In diesen Fällen werden mehrstufige Stücklisten eingesetzt (und falls das Produkt konfigurierbar ist, Matrix-Stücklisten), um die Komplexität unter Kontrolle zu halten. Für diese Art Fertigungsprozess ist ein leistungsstarkes MRP/ERP-System, unverzichtbar. SAP beinhaltet im Digital Core (S4/HANA) die notwendige Funktionalität für eine zuverlässige Disposition.

Die Produktion von Einheiten in der diskreten Fertigung geschieht üblicherweise an vielen verschiedenen Arbeitsstationen, die entweder unabhängig voneinander oder sequenziell arbeiten können. Das macht die Verfolgung des Routings der Produktionstätigkeiten zu einem weiteren entscheidenden Attribut der diskreten Fertigung. Bei unserem Smartphone-Beispiel wäre es möglich, das LCD-Display und das Energieversorgungssystem getrennt zu produzieren, doch ihr Einbau ins Motherboard würde sequenzielles Routing erfordern. Hier ist wiederum ein fähiges MRP-System nötig, um sicherzustellen, dass die Produktion und die Montage des Produkts in der richtigen Reihenfolge erfolgen und alle Teile enge Toleranzgrenzen einhalten, damit sie perfekt zusammenpassen.


Bei der Prozessfertigung werden Rohstoffe oder Inhaltsstoffe in einem „Prozess“ vermischt, gekocht, vermengt oder anderweitig kombiniert, um so ein bestimmtes Erzeugnisvolumen zu erhalten anstatt einzelne Produkteinheiten. Demnach erfolgt die Prozessfertigung größtenteils in Massenmengen. Während sich die diskrete Fertigung auf Stücklisten verlässt, nutzt die Prozessfertigung Rezepte oder Formeln, um die Bestandteile des Produkts zu bestimmen. Hier ist es ebenfalls wichtig, dass das Produktionsplanungssystem eines Unternehmens die technischen Möglichkeiten hat, Skalierbarkeit, Prozessinspektionen, Prozessmethoden usw. zu gewährleisten. Falls die Formel oder das Rezept eines Produkts skalierbar ist, was in der Prozessfertigung oft der Fall ist, können Chargen unterschiedlicher Größen normalerweise mit derselben Formel produziert werden.

Wenn eine Fabrik beispielsweise Cupcakes produziert, würde es Sinn ergeben, die Glasur für eine Charge mit ähnlichem Geschmack gleichzeitig zu produzieren, anstatt die Zutaten für jeden Cupcake einzeln zu mischen. Falls der Bestand nur genügend Zutaten für eine halbe Charge hat, lassen sich die Formeln leicht nach unten skalieren, um die halbe Menge an Glasur zu fertigen, anstatt die Produktion komplett unterbrechen zu müssen. Das ist ein Unterschied zur diskreten Fertigung, wo es beispielsweise nicht möglich ist, ein halbes Motherboard zu fertigen, wenn nur die Hälfte der benötigten Kondensatoren auf Lager ist.

Im Gegensatz zur diskreten Fertigung lassen sich bei der Prozessfertigung die einzelnen Bestandteile eines Produkts nach der Verarbeitung nicht leicht erkennen. Während sich diskret gefertigte Produkte oft bis auf ihre Originalbauteile demontieren lassen, ist dies bei Produkten mit vermischten Komponenten nicht möglich .Es ist zum Beispiel unmöglich, Schieferöl wieder in Kohle umzuwandeln oder Schlagsahne wieder in Milch.


Ein Handelsunternehmen beschäftigt sich mit dem Vertrieb von Waren, ohne diese wesentlich zu verarbeiten. Grundsätzlich wird zwischen Einzelhandel (Retail-Branche) und Großhandel (Wholesale-Branche) unterschieden. Jedes Handelsunternehmen erbringt unterschiedliche Leistungen und Aufgaben als Schnittstelle zwischen dem Produzenten und den gewerblichen und nicht-gewerblichen Konsumenten der Produkte.

In der logistischen Kette übernehmen Handelsunternehmen zumeist die Rolle der Senke, also den Ort, an dem die Güter und Waren angeliefert und angenommen werden. Ihre Lager dienen zum Aufbewahren von Waren, die zu einem späteren Zeitpunkt benötigt werden und dafür zur Verfügung gehalten werden müssen. Ein Lager kann ein Standort, eine Halle oder eine Räumlichkeit innerhalb einer Halle sein. Im Gegensatz zu Just-in-Time JIT wird ein Lager vor allem zur Überbrückung von Zeit und Sicherstellung der Verfügbarkeit von Waren und Material eingesetzt.

Die Organisation des Lageraufbaus sowie die Organisation, Steuerung und Überwachung aller Lagerprozesse sind in Handel essentiell sichtig, und wird anhand folgender Kernprozesse sichergestellt:

  • Wareneingang mit Vereinnahmung und Einlagerung
  • Warenausgang mit Kommissionierung und Versand
  • Umlagerungen und Inventur.

Eine Überlastung der Laderampe kann beispielsweise Störungen bei der Verladung verursachen und hat Konsequenzen für alle beteiligten Akteure. Dazu gehören zum Beispiel Engpässe bei der Verfügbarkeit von Waren und Schwierigkeiten bei der Fahrer- und Fahrzeugdisposition. Folglich sollte es grundsätzlich das Ziel aller beteiligten Akteure der Lieferkette sein, Störungen und Ineffizienzen an der Laderampe zu minimieren.