SAP-Führungskräfte setzen neue Impulse in der Diskussion über digitale Souveränität

Weltweite geopolitische Unsicherheit, angespannte Handelsbeziehungen und nationale Sicherheitsbedenken heizen nicht nur die Debatte über das Thema digitale Souveränität an – sie lassen auch den Markt für souveräne Cloud-Dienste wachsen und kurbeln die Nachfrage von Unternehmen nach einem sicheren, lokalen Zugriff auf die neuesten KI-Tools an.

Mit der Public Cloud profitieren Unternehmen von beispiellosen Vorteilen im Hinblick auf den Datenzugriff und Datenfluss. Doch in Zeiten geopolitischer Unsicherheit müssen sensible Daten – zu denen auch staatliche Verschlusssachen und in regulierten Branchen erzeugte Daten zählen – besonders geschützt werden.

SAP-Vorstandssprecher Christian Klein führte kürzlich in einem Interview mit der Financial Times aus, dass diese Bedenken bei Kunden Ängste geschürt haben, was die Wahl der Cloud-Infrastruktur betrifft. Sie haben außerdem das Konzept der „souveränen“ Rechenzentren beflügelt, das darauf abzielt, dass Informationen innerhalb der Landesgrenzen verbleiben.

SAP Sovereign Cloud: Nutzen Sie die Cloud ohne Kompromisse

Souveräne Clouds

Bislang waren es vor allem nationale Regierungen, Behörden und einige wenige Unternehmen in sensiblen Bereichen wie der Verteidigungsindustrie und der Versorgungswirtschaft, die souveräne Clouds gefordert hatten. Technologieunternehmen, unter ihnen die SAP, sind dieser Forderung durch die Bereitstellung hochgradig sicherer, souveräner Cloud-Dienste nachgekommen.

In den vergangenen Monaten hat die Diskussion über das Thema digitale Souveränität jedoch auf breiterer Basis Fahrt aufgenommen. Hayete Gallot, President of Customer Experience bei Google, stellte kürzlich fest: „Souveränität war bislang eher ein Nischenthema und für stark regulierte Branchen wie die Verteidigungindustrie und Nachrichtendienste von Interesse. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen machen sich plötzlich alle Gedanken darüber.“

Die EU hat Investitionen in Höhe von 20 Mrd. Euro für den Aufbau von fünf sogenannten „Gigafactorys“ vorgeschlagen. Sie sollen die Grundlage für digitale Souveränität schaffen und Europa dabei unterstützen, sich im Bereich KI besser gegen die marktdominierenden Hyperscaler und großen Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) von US-Anbietern zu behaupten. Andere wie Christian Klein halten es jedoch nicht für sinnvoll, die physische Infrastruktur von Hyperscalern und anderen Technologieanbietern zu replizieren.

Der Wettlauf um Hardware für Rechenzentren ist vorbei

Christian Klein hält milliardenschwere staatliche Investitionen in riesige neue Rechenzentren in der EU für falsch und argumentiert, dass europäische Unternehmen bereits die Kontrolle und Souveränität über ihre eigenen Daten haben. „Der Hardware-Zug ist abgefahren“, resümierte er. Er und andere SAP-Führungskräften verweisen außerdem darauf, dass digitale Souveränität mehr als nur die physische Infrastruktur beinhaltet – ebenso wichtig sind die operativen, technischen und rechtlichen Aspekte der Datenhoheit.

Vor allem aber steht mit der SAP Sovereign Cloud ein Modell zur Verfügung, bei dem Kundendaten im Land verbleiben und unter Einhaltung lokaler Gesetze gespeichert werden können, ohne die vorhandene physische Infrastruktur replizieren zu müssen. Die Cloud-Dienste für dieses Angebot wurden im Laufe der vergangenen 20 Jahre entwickelt und werden bereits von einer Reihe von Unternehmen mit den weltweit höchsten Anforderungen an die Datensicherheit genutzt. Unter anderem werden die Dienste durch die Organisation SAP National Security Services (SAP NS2) für US-amerikanische Unternehmen bereitgestellt.

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Einsatz der SAP Sovereign Cloud bei Kunden

Die SAP Sovereign Cloud untersützt bereits über 170 Kunden auf der ganzen Welt und plant, in den nächsten zehn Jahren weitere 2 Mrd. Euro in die Abdeckung zusätzlicher Regionen zu investieren. Unter anderem führt die SAP derzeit Gespräche mit vier asiatischen Ländern. In Deutschland stellt die Organisation sichere souveräne Cloud-Dienste über Delos Cloud bereit und plant ein ähnliches Angebot für Frankreich, das von Bleu bereitgestellt werden soll.

Anstatt in einem aussichtlosen Rennen zu versuchen, zu den USA aufzuschließen, muss Europa nach Ansicht von SAP-Führungskräften nun den Einsatz von KI-Lösungen in einzelne Branchen und bestimmten Anwendungsbereichen fördern.

In einem Gastkommentar im Handelsblatt plädierte Christian Klein kürzlich für eine digitale Strategie für Europa, die auf den digitalen Stärken der Region aufbaut: „Wir brauchen einen neuen, von Europa definierten Begriff von Souveränität, der auf Kontrolle und Selbstbestimmung statt Autarkie setzt.“ Er warnte auch davor, dass digitale Souveränität „kein Selbstzweck“ sei, und forderte einen „tiefgreifenden Wandel“ der Geschäftsmodelle von Branchen.

Diese Modelle „müssen neu gedacht, Prozesse digitalisiert und KI gezielt eingesetzt werden – für mehr Innovation, für höhere Effizienz, für Nachhaltigkeit“, führte er weiter aus. 

Martin Merz, President von SAP Sovereign Cloud, teilt diese Ansicht: „Die Diskussion rund um die digitale Souveränität in Europa wird schon zu lange mit zu vielen Schlagwörtern und zu wenig Substanz geführt“, bekräftigte er. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem sich Europa keine fehlgeleiteten Diskussionen mehr leisten kann. Worauf es ankommt, ist die Wertschöpfung. Echte Souveränität heißt, es Menschen, Branchen und Regierungen zu ermöglichen, durch Innovationen führend zu sein.“

„Wenn es um hochsensible Daten geht, kommt SAP Sovereign Cloud ins Spiel“, führte Martin Merz weiter aus. „Das Lösungsangebot wurde speziell für den Schutz besonders sensibler, sicherheitskritischer Daten entwickelt. Es ermöglicht ein Höchstmaß an Sicherheit und operativer Unabhängigkeit, ohne Innovationen auszubremsen.“

Lokal gehostete KI

Dass sich der Schwerpunkt in der Diskussion um Datenhoheit verlagert, zeigt sich auch darin, dass viele SAP-Kunden nun über souveräne KI oder „lokal gehostete KI“ sprechen, wie SAP es bezeichnet. CTO Philipp Herzig verwies kürzlich darauf, dass die SAP nun verschiedene selbstgehostete KI-Modelle in einer sichereren, lokalen Umgebung anbietet, um die Weichen dafür zu stellen. „Ab dem dritten Quartal stellen wir die gesamte AI Foundation durchgängig über europäische Rechenzentren bereit. Damit stehen Unternehmen KI-Lösungen zur Verfügung, die vollständig von der SAP verwaltet und betrieben werden“, erklärte er.

Kunden erhalten dadurch Zugriff auf die neuesten lokale Modelle wie Mistral Small und Mistral Medium, Aleph Alpha oder das von der Bundesregierung verwendete Modell T-Free. „Ihre Daten werden weiter lokal gespeichert, sind vertrauenswürdig, vorschriftenkonform und sicher. Sie lassen sich nahtlos in die Funktionen von SAP Business AI integrieren, ohne die Leistung, Governance oder den Datenschutz zu beeinträchtigen“, führte Philipp Herzig weiter aus.

Er berichtete, dass sich die Schweizerischen Bundesbahnen als einer der Erstanwender als Vorreiter positioniert haben und lokal gehostete KI-Lösungen mit Mistral AI nutzen, um Innovationen in einer vertrauenswürdigen Umgebung voranzutreiben. Auf einer Konferenz von NVIDIA in Frankreich gab er vor Kurzem außerdem bekannt, dass die SAP im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit Mistral AI und Capgemini die Einführung von KI europaweit zu beschleunigen will.

„Gemeinsam gestalten wir die Zukunft von KI für Unternehmen: sicher, lokal und intelligent“, bekräftigte Philipp Herzig.

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